Lothar Schmid zu Gast in Hattingen – ein unvergessliches Schacherlebnis

Im Jahr 2004 erlebte der Schachverein Hattingen eine Sternstunde: Großmeister Lothar Schmid, legendärer Schiedsrichter des WM-Kampfes Fischer gegen Spassky (1972), besuchte auf Einladung des Vereins die Stadt Hattingen. Anlass war das 50-jährige Vereinsjubiläum unseres Ehrenvorsitzenden Robert Porbeck, dem zu Ehren ein prominent besetztes Schachturnier organisiert wurde.

Lothar Schmid (1928–2013) zählte zu den bedeutendsten Persönlichkeiten des Schachsports: Er war einer der wenigen, die sowohl im Nahschach als auch im Fernschach den Großmeistertitel errangen. Zudem war er Inhaber des Karl-May-Verlags – man darf also mit Fug und Recht sagen: der „Chef“ von Winnetou und Old Shatterhand. Seine private Schachsammlung galt als eine der weltweit größten – mit über 50.000 Büchern und zahllosen Raritäten.

Bereits 1970 – anlässlich des 25-jährigen Bestehens unseres Vereins – gastierte Lothar Schmid in Hattingen. Damals spielte er Simultan gegen die Vereinsmitglieder.

Über drei Jahrzehnte später gelang es dem SV Hattingen erneut, den Jahrhundert-Schiedsrichter für ein Gastspiel zu gewinnen – eine Aufgabe, die nicht ganz einfach war. Lothar Schmid hatte zu diesem Zeitpunkt seit über zehn Jahren kein Schach mehr gespielt. Erst durch ein augenzwinkerndes Argument – ob Schachspielen wie Fahrradfahren sei und man es nicht verlerne – ließ er sich schließlich von Ralf Schreiber doch überzeugen.

Sein Besuch in Hattingen begann mit einer unerwarteten Herausforderung: Trotz warmer Temperaturen erschien der Großmeister im Pelzmantel – geplagt von akuten Zahnschmerzen. In einer beherzten Aktion wurde er notfallmäßig zahnärztlich versorgt. Der behandelnde Arzt, begeistert vom prominenten Patienten, lehnte jedes Honorar mit den Worten ab, es sei ihm „eine besondere Ehre gewesen, einem leibhaftigen Großmeister des Schachsports in den Mund zu fassen“.

Danach stand einem großartigen Schachwochenende nichts mehr im Wege. Der Simultanauftritt von Lothar Schmid – mit etwas längerer Bedenkzeit als früher, aber ungebrochener Spielstärke – war der Höhepunkt des Events. Vor der Simultanveranstaltung hielt Lothar Schmid einen faszinierenden Vortrag über den berühmten WM-Kampf 1972 zwischen Bobby Fischer und Boris Spassky – ein Ereignis, das weit über das Schachbrett hinaus weltpolitische Bedeutung erlangte.

Diese Veranstaltung war nicht nur ein würdiger Rahmen für die Ehrung Robert Porbecks, sondern auch ein Glanzpunkt in der Geschichte des Schachvereins Hattingen. Sie zeigt: Mit Leidenschaft, Vision und etwas Hartnäckigkeit lässt sich auch ein Jahrhundert-Großmeister bewegen – samt Pelzmantel und Zahnschmerz.

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